Lesen. Hören. Schreiben. 45 Der gute Ort

Da war eben noch der Plan für den neuen Text: Sauberer Plot, aktuelles Thema, interessante Personnage.
Aber,
ein noch viel neueres Thema hat sich wichtig gemacht und das nicht-mehr-so-neue überholt. Vor Ehrgeiz funkelt es in Tannengrün und Fichtengrün, tarnt sich nur unvollkommen hinter Flechtengrau, rauscht und singt und rollt ein unsichtbares Banner auf:

S c h a u p l a t z  W a l d
Unter-Überschrift: Fühlst du dich nicht schon total motiviert?

Doch!
Wald ist gut.
Wald ist Ruhe inmitten von Lebendigkeit.
Wald ist hell und dunkel. Abend dämmert und tut, als wär’s schon Nacht. Fort mit den Gästen!

Mein Wald steckt voller Ungewissheiten. Das Licht, das durch die Kronen fällt, spielte eben noch mit seiner Quelle aus Sonne? Oder fiel nur matt durch Wolken? Von meinen Haaren, in Spinnweben verfangen, bis zu den Füßen –in-Brombeerhecken: Wald rückt zu nahe? Wald grüßt mich auf seine vorwitzig-hintergündige Weise?

Wald-Abenteuer-harmlos, beim Versuch, mich wenigstens einmal, schon frierend, ein wenig zu verirren: Nichts zu machen. Wald schützt mich. Wald wärmt.

Ich hab noch nie einen Baum umarmt. Bin aber sicher, dass Wald mich umgarnt. Mich daraus befreien?
Wie denn. Wald macht, dass ich seine Lebendigkeit in Ameisennähe und schaukelnden Kronen spüren kann (ohne zu stören), als riesiges Auge-Ohr-Haut-Wesen voll mitfühlender Neugier.
Unsichtbar-Werden im Wald?
Nein. Unsichtbar werden kann ich an jedem Ort, wenn ich es will.